Temperaturschwankungen beim Pferd: So begleitest du dein Pferd durch Frühling und Herbst
Morgens noch frostig, mittags plötzlich 18 Grad und am Abend wird es wieder empfindlich kalt: Gerade im Frühling und Herbst können die Temperaturen innerhalb kurzer Zeit stark schwanken. Was für uns Menschen schon bei der Kleiderwahl zur Herausforderung wird, kann auch im Pferdealltag einiges an Organisation verlangen.
Dabei reagiert nicht jedes Pferd gleich. Manche kommen mit wechselnden Temperaturen vollkommen unkompliziert zurecht, während andere bei Wetterumschwüngen deutlich sensibler erscheinen. Besonders bei Senioren und Pferden mit bestehenden Erkrankungen lohnt es sich, Veränderungen genau im Blick zu behalten.
In diesem Ratgeber zeigen wir dir, worauf du bei Temperaturschwankungen beim Pferd achten kannst, wie du Decken, Wasserangebot und Bewegung sinnvoll anpasst und warum Energydrinks definitiv nicht in den Pferdetrog gehören.
Inhaltsverzeichnis
- Wie reagieren Pferde auf Temperaturschwankungen?
- Welche Pferde brauchen besondere Aufmerksamkeit?
- Pferd eindecken: Decken an die Temperatur anpassen
- Trinken bei wechselnden Temperaturen fördern
- Bewegung bei Temperaturschwankungen einplanen
- Fütterung & Alltag sinnvoll gestalten
- Fazit: Bei Temperaturschwankungen zählt gutes Beobachten
- Häufig gestellte Fragen
Wie reagieren Pferde auf Temperaturschwankungen?
Starke Wetterwechsel sind besonders typisch für die Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst. Innerhalb eines Tages können sich Temperatur, Wind und Niederschlag deutlich verändern.
Pferde reagieren darauf sehr unterschiedlich.
Während das eine Pferd selbst bei großen Temperatursprüngen keinerlei Auffälligkeiten zeigt, wirkt ein anderes vielleicht müder als gewohnt oder weniger motiviert. Bei manchen Pferden können außerdem angelaufene Beine auffallen.
Entscheidend ist deshalb nicht, bei jedem Wetterwechsel automatisch besondere Maßnahmen einzuleiten. Viel wichtiger ist es, das eigene Pferd gut zu beobachten und Veränderungen im normalen Verhalten früh wahrzunehmen.
Das individuelle Pferd entscheidet
Alter, Fell, Haltung, Bewegung und der allgemeine Zustand des Pferdes können beeinflussen, wie gut es mit wechselnden Temperaturen zurechtkommt.
Ein robust gehaltenes Pferd mit dichtem Winterfell hat beispielsweise ganz andere Voraussetzungen als ein geschorenes Pferd, das regelmäßig eingedeckt wird.
Eine pauschale Lösung für alle Pferde gibt es deshalb nicht.
Welche Pferde brauchen besondere Aufmerksamkeit?
Grundsätzlich können Temperaturschwankungen jedes Pferd betreffen. Manche Pferde benötigen in wechselhaften Wetterphasen allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit.
Dazu gehören beispielsweise:
- ältere Pferde,
- Pferde mit bestehenden Erkrankungen wie PPID,
- Pferde, die bereits eine Kolik hatten,
- Pferde, die generell empfindlich auf Veränderungen reagieren,
- sowie Pferde, die sich aufgrund ihrer Haltung nur wenig selbstständig bewegen.
Gerade Senioren und Pferde mit Vorerkrankungen solltest du bei starken Wetterwechseln besonders aufmerksam beobachten.
Pferde mit Kolik-Vorgeschichte im Blick behalten
Hat ein Pferd bereits eine Kolik gehabt, lohnt es sich ohnehin, Futteraufnahme, Wasseraufnahme und Verhalten aufmerksam zu kontrollieren.
Wichtig: Eine Kolik ist immer ein tierärztlicher Notfall.
Zeigt dein Pferd typische Auffälligkeiten oder hast du den Verdacht auf eine Kolik, solltest du nicht zunächst verschiedene Futtermittel ausprobieren, sondern unverzüglich tierärztlichen Rat einholen.
Pferd eindecken: Decken an die Temperatur anpassen
Besonders viel Aufmerksamkeit erfordern Wetterumschwünge bei Pferden, die eine Pferdedecke tragen.
Eine Decke, die morgens bei niedrigen Temperaturen gut passt, kann wenige Stunden später bei deutlich wärmerem Wetter bereits zu viel sein.
Deshalb solltest du die Deckenwahl möglichst nicht ausschließlich danach treffen, welche Temperaturen am frühen Morgen herrschen.
Regelmäßig Temperatur und Pferd kontrollieren
Abhängig von:
- Außentemperatur,
- Fell,
- Schur,
- Haltung,
- Wind und Niederschlag
kann es sinnvoll sein, die Decke im Laufe des Tages zu wechseln oder das Pferd zeitweise auszudecken.
Sinken die Temperaturen am Abend oder in der Nacht wieder deutlich, kann erneut eine andere Decke notwendig sein.
Gerade in der Übergangszeit lohnt sich deshalb ein Blick auf den gesamten Tagesverlauf der Temperaturen.
Auch das Pferd selbst liefert wichtige Hinweise. Kontrolliere regelmäßig unter der Decke, ob es sich angenehm anfühlt und ob dein Pferd stark schwitzt.
Trinken bei wechselnden Temperaturen fördern
Ein weiterer Punkt, der bei großen Wetterumschwüngen leicht übersehen wird, ist die Wasseraufnahme.
Manche Pferde trinken in bestimmten Wetterphasen weniger als gewohnt. Deshalb solltest du kontrollieren, ob dein Pferd ausreichend Zugang zu sauberem, frischem Wasser hat und das Angebot auch nutzt.
Bottich statt Selbsttränke ausprobieren
Nicht jedes Pferd bevorzugt dieselbe Art der Wasseraufnahme.
Manche trinken lieber aus einem Bottich als aus einer automatischen Selbsttränke. Gerade nach dem Reiten, einem Spaziergang oder einer anderen Bewegungseinheit kannst du deinem Pferd deshalb zusätzlich Wasser in einem Eimer oder Bottich anbieten.
So findest du schnell heraus, welche Variante dein Pferd bevorzugt.
Flüssiges Mash anbieten
Eine weitere Möglichkeit ist ein sehr flüssig angerührtes Mash, häufig auch als Mashsuppe bezeichnet.
Dabei sollte selbstverständlich die empfohlene Fütterungsmenge des jeweiligen Produkts berücksichtigt werden.
Wasser etwas schmackhafter machen
Bei Pferden, die nur zögerlich trinken, wird manchmal eine kleine geschmackliche Veränderung des Wassers genutzt, beispielsweise durch etwas Apfelsaft.
Dabei gilt jedoch Vorsicht: Apfelsaft enthält Zucker und ist deshalb nicht für jedes Pferd gleichermaßen geeignet. Besonders bei Pferden mit Stoffwechselthemen sollte die zusätzliche Zuckerzufuhr berücksichtigt werden.
Wichtig ist außerdem, parallel immer normales Wasser anzubieten.
Bewegung bei Temperaturschwankungen einplanen
Auch regelmäßige Bewegung gehört zu einem guten Management in wechselhaften Wetterphasen.
Das gilt besonders für Pferde, die im Winterquartier oder in bestimmten Haltungssystemen nur wenig Möglichkeit haben, sich selbstständig über längere Strecken zu bewegen.
Dabei muss es keineswegs immer eine intensive Trainingseinheit sein.
Mögliche Bewegungsformen sind beispielsweise:
- ein längerer Spaziergang,
- lockeres Reiten,
- Schrittarbeit,
- kurze Trabphasen,
- Bodenarbeit
- oder Kutsche fahren.
Vor allem eine ruhige und kontinuierliche Bewegung lässt sich gut in den Alltag integrieren.
Training an Tagesform und Wetter anpassen
Wirkt dein Pferd an einem Tag weniger motiviert als sonst, musst du nicht starr an einem intensiven Trainingsplan festhalten.
Ein ausgedehnter Spaziergang oder eine lockere Schrittrunde können ebenfalls eine gute Möglichkeit sein, für Bewegung zu sorgen.
Gerade bei starken Temperatursprüngen gilt: Beobachte dein Pferd und passe die Intensität an seine Tagesform an.
Fütterung & Alltag sinnvoll gestalten
Bei Temperaturschwankungen ist meist kein kompletter Wechsel der Fütterung notwendig.
Wichtiger ist, die gewohnte Ration beizubehalten und gleichzeitig auf ausreichend Wasser sowie einen möglichst gleichmäßigen Tagesablauf zu achten.
Mash als Ergänzung
Mash kann beispielsweise gelegentlich in die Fütterung integriert und besonders flüssig angerührt werden.
Dabei sollte es als Bestandteil der gesamten Ration betrachtet und entsprechend der Herstellerempfehlung gefüttert werden.
Kräuter in der Pferdefütterung
Auch verschiedene Kräuter und Kräutermischungen werden traditionell in der Pferdefütterung eingesetzt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Weißdorn,
- verschiedene Kräutermischungen,
- sowie Kräuterprodukte, die für unterschiedliche Fütterungsschwerpunkte angeboten werden.
Bei der Auswahl lohnt sich ein Blick auf Zusammensetzung, Deklaration und Fütterungsempfehlung.
Auch bei Kräutern gilt: Mehr ist nicht automatisch besser. Sie sollten passend zur übrigen Ration ausgewählt werden.
Keine Energydrinks für Pferde
Auch wenn ein Pferd bei einem Wetterumschwung einmal müder wirkt, gehören Energydrinks für Menschen nicht in den Pferdetrog.
Sie enthalten unter anderem Koffein, das im Pferdesport dopingrelevant ist. Kohlensäurehaltige Getränke sind ebenfalls keine geeigneten Getränke für Pferde.
Für das Pferd sollte daher immer geeignetes Pferdefutter und vor allem sauberes Trinkwasser zur Verfügung stehen – nicht Getränke aus der menschlichen Ernährung.
Fazit: Bei Temperaturschwankungen zählt gutes Beobachten
Frühling und Herbst bringen häufig große Temperaturunterschiede mit sich. Für Pferdehalter bedeutet das vor allem, flexibel auf die jeweiligen Bedingungen zu reagieren.
Bei eingedeckten Pferden sollte regelmäßig geprüft werden, ob die aktuelle Decke noch zur Temperatur passt. Gleichzeitig lohnt es sich, Wasseraufnahme, Bewegung und allgemeines Verhalten im Blick zu behalten.
Vor allem ältere Pferde, Tiere mit bestehenden Erkrankungen oder Pferde mit einer entsprechenden Vorgeschichte können in solchen Phasen besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Dabei kennst du den normalen Alltag und das Verhalten deines Pferdes am besten. Wirkt etwas deutlich anders als gewohnt oder treten ernsthafte Auffälligkeiten auf, sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden.
Häufig gestellte Fragen
Können Pferde auf Temperaturschwankungen reagieren?
Ja, Pferde können sehr unterschiedlich auf starke Wetterwechsel reagieren. Manche zeigen keinerlei Veränderung, andere wirken beispielsweise zeitweise müder oder weniger motiviert als gewohnt. Deshalb ist die individuelle Beobachtung besonders wichtig.
Welche Pferde sind bei Wetterumschwüngen besonders empfindlich?
Besondere Aufmerksamkeit kann bei älteren Pferden, Pferden mit bestehenden Erkrankungen und Pferden mit entsprechender Vorgeschichte sinnvoll sein. Grundsätzlich kann jedoch jedes Pferd auf Veränderungen reagieren.
Muss ich mein Pferd bei wärmeren Temperaturen ausdecken?
Das hängt von Pferd, Fell beziehungsweise Schur, Haltung, Wetter und verwendeter Decke ab. Wird es im Tagesverlauf deutlich wärmer, solltest du kontrollieren, ob die aktuelle Decke noch passend ist und gegebenenfalls umdecken oder ausdecken.
Was kann ich tun, wenn mein Pferd wenig trinkt?
Neben einer einwandfreien Wasserversorgung kannst du ausprobieren, Wasser zusätzlich in einem Bottich oder Eimer anzubieten. Manche Pferde bevorzugen diese Variante gegenüber einer Selbsttränke. Auch sehr flüssig angerührtes Mash kann zusätzliche Flüssigkeit in die Ration bringen.
Ist Bewegung bei starken Temperaturschwankungen sinnvoll?
Regelmäßige, an das Pferd angepasste Bewegung gehört auch bei wechselhaftem Wetter zum Alltag. Je nach Tagesform können beispielsweise Spaziergänge, Schrittarbeit oder lockeres Reiten gewählt werden.
Kann ich meinem Pferd bei Wetterwechsel Mash geben?
Mash kann als Bestandteil einer bedarfsgerechten Ration gefüttert und beispielsweise besonders flüssig angerührt werden. Beachte dabei die jeweilige Fütterungsempfehlung und berücksichtige die gesamte Tagesration.
Darf ein Pferd Energydrinks trinken?
Nein. Energydrinks für Menschen sind nicht für Pferde geeignet. Sie können unter anderem Koffein enthalten, das im Pferdesport dopingrelevant ist. Als Getränk sollte dem Pferd sauberes Trinkwasser angeboten werden.