Übersäuerung beim Pferd: Säure-Basen-Haushalt, Fütterung & Bewegung im Blick
Gerade im Frühjahr und während des Fellwechsels wirken manche Pferde weniger motiviert oder energielos. Im Stall fällt dann schnell der Begriff „Übersäuerung beim Pferd“. Doch was ist damit eigentlich gemeint und welche Rolle spielen Fütterung, Bewegung und der tägliche Pferdealltag?
Der Körper des Pferdes besitzt unterschiedliche Bereiche, in denen jeweils bestimmte Bedingungen herrschen. Im Zusammenhang mit der Fütterung wird deshalb häufig über den Säure-Basen-Haushalt gesprochen. Dabei geht es vor allem darum, die gesamte Ration ausgewogen zu gestalten und starke Ungleichgewichte zu vermeiden.
Besonders stärke- und zuckerreiche Futtermittel, große Kraftfuttermengen, lange Fresspausen sowie das Verhältnis von Bewegung und Fütterung sind Punkte, die du bei der Rationsgestaltung im Blick behalten kannst.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Übersäuerung beim Pferd?
- Welche Faktoren können den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen?
- Stärke und Zucker in der Pferdefütterung beachten
- Raufutter als Basis der täglichen Ration
- Fresspausen und Kraftfuttermengen richtig planen
- Bewegung, Alltag & Kräuter sinnvoll einbinden
- Fazit: Bei „Übersäuerung“ die gesamte Pferdefütterung betrachten
- Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Übersäuerung beim Pferd?
Wenn Pferdehalter von einer Übersäuerung beim Pferd sprechen, geht es häufig um die Frage, ob der Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht geraten sein könnte.
Dabei ist wichtig zu verstehen: Der Körper benötigt sowohl saure als auch basische Bereiche, damit unterschiedliche Vorgänge stattfinden können.
Der Begriff „Übersäuerung“ sollte deshalb nicht so verstanden werden, als dürfte im Pferdekörper grundsätzlich nichts „sauer“ sein.
Vielmehr lohnt es sich, die Bedingungen rund um:
- Fütterung,
- Bewegung,
- Haltung,
- Stress
- und weitere äußere Einflüsse
gemeinsam zu betrachten.
Gerade wenn ein Pferd im Frühjahr, während des Fellwechsels oder in anderen Phasen anders wirkt als gewohnt, sollte nicht automatisch nur ein einzelner Auslöser angenommen werden.
Welche Faktoren können den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen?
In der täglichen Pferdehaltung treffen viele Faktoren aufeinander.
Im Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Haushalt werden unter anderem Fütterung und Trainingsintensität betrachtet. Auch ungewohnte Belastungen, Stress oder Medikamente können bei der Beurteilung der Gesamtsituation eine Rolle spielen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes müde oder weniger motivierte Pferd automatisch „übersäuert“ ist.
Viel sinnvoller ist es, zunächst den gesamten Alltag zu prüfen:
- Hat sich die Futterration verändert?
- Bekommt das Pferd mehr Kraftfutter als zuvor?
- Haben sich Weidegang oder Grasaufnahme verändert?
- Gibt es lange Fresspausen?
- Wurde das Training deutlich intensiviert?
- Gibt es aktuell besondere Stresssituationen?
- Befindet sich das Pferd im Fellwechsel?
So lässt sich besser einschätzen, an welchen Stellschrauben im Management möglicherweise gearbeitet werden kann.
Stärke und Zucker in der Pferdefütterung beachten
Ein wichtiger Punkt bei der Fütterungsplanung ist die Menge an Stärke und Zucker in der gesamten Tagesration.
Stärke steckt vor allem in klassischen Getreidesorten und entsprechend getreidereichen Kraftfuttermitteln.
Wer große Mengen davon füttert, sollte deshalb nicht nur auf die Menge des einzelnen Futters schauen, sondern die gesamte Stärkeaufnahme pro Tag und Mahlzeit berücksichtigen.
Wie viel Stärke sollte ein Pferd bekommen?
Als Orientierung wird in der Rationsgestaltung häufig mit Stärkeangaben bezogen auf das Körpergewicht gearbeitet.
In den vorliegenden Fütterungshinweisen wird als Obergrenze eine Menge von etwa 2 g Stärke pro Kilogramm Körpergewicht genannt. Bei Pferden, bei denen bewusst stärkearm gefüttert werden soll, kann eine niedrigere Menge von etwa 1 g pro Kilogramm Körpergewicht als Orientierung dienen.
Ein Pferd mit 500 kg Körpergewicht würde bei 1 g Stärke pro Kilogramm Körpergewicht beispielsweise auf rund 500 g Stärke kommen.
Wichtig: Dabei geht es um die Stärke aus der gesamten Ration und nicht um das Gewicht des Kraftfutters selbst.
Zucker steckt nicht nur in Kraftfutter
Auch der Zuckergehalt sollte berücksichtigt werden.
Besonders während der Weidesaison spielt Fruktan im Gras in der Fütterungsplanung eine Rolle.
Doch nicht nur frisches Gras liefert Zucker. Auch:
- Heu,
- Heucobs
- und weitere Raufutterprodukte
können je nach Ausgangsmaterial unterschiedliche Zuckergehalte aufweisen.
Von außen lässt sich der tatsächliche Gehalt nicht zuverlässig erkennen. Soll die Ration besonders genau beurteilt werden, kann deshalb eine Analyse des Raufutters sinnvoll sein.
Raufutter als Basis der täglichen Ration
Trotz des möglichen Zuckergehalts einzelner Chargen bleibt Raufutter die Grundlage einer pferdegerechten Rationsgestaltung.
Dazu gehören insbesondere:
- Heu,
- geeignetes Stroh
- und je nach Haltung geeignete Äste beziehungsweise strukturreiche Bestandteile.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Raufutters.
Auf gute Heuqualität achten
Heu sollte sauber gelagert und von einwandfreier Qualität sein.
Futter mit sichtbarem Schimmel oder deutlich auffälliger Qualität gehört nicht in die Pferderation.
Gerade weil das Pferd täglich große Mengen Raufutter aufnimmt, lohnt sich ein besonders kritischer Blick auf Heuqualität, Lagerung und Fütterungshygiene.
Wie viel Raufutter braucht ein Pferd?
Als Faustformel wird in den vorliegenden Informationen eine tägliche Menge von etwa 1 bis 1,5 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht genannt.
Bei einem Pferd mit 500 kg Körpergewicht entspricht das:
5 bis 7,5 kg Raufutter pro Tag.
Die konkrete Ration sollte allerdings immer zum individuellen Pferd, seiner Haltung und dem gesamten Futterplan passen.
Raufuttermenge und mögliche Gewichtsziele sollten deshalb nicht isoliert betrachtet werden.
Fresspausen und Kraftfuttermengen richtig planen
Nicht nur was ein Pferd bekommt, sondern auch wann und wie verteilt es gefüttert wird, gehört zur Rationsplanung.
Besonders wichtig sind dabei die Fresspausen.
Fresspausen möglichst kurz halten
Als Faustformel gilt in den vorliegenden Informationen, dass eine Fresspause möglichst nicht länger als vier Stunden am Stück dauern sollte.
Ein passendes Raufuttermanagement kann deshalb bedeuten, die vorhandene Menge so zu verteilen, dass über den Tag möglichst gleichmäßige Fresszeiten entstehen.
Dabei können je nach Haltung beispielsweise unterschiedliche Fütterungssysteme eingesetzt werden.
Kraftfutter nicht automatisch zur Standardration machen
Nicht jedes Pferd benötigt große Mengen Kraftfutter.
Wenn Energie- und Nährstoffbedarf bereits über Raufutter und eine passende ergänzende Versorgung abgedeckt werden können, sollte Kraftfutter nicht allein aus Gewohnheit gefüttert werden.
Gerade bei sehr stärkehaltigen Rationen lohnt es sich, zu überprüfen:
- Wie viel Kraftfutter bekommt das Pferd tatsächlich?
- Wie hoch ist der Getreideanteil?
- Wie groß sind die einzelnen Mahlzeiten?
- Welche weiteren Stärkequellen enthält die Ration?
- Passt die Energiezufuhr zur tatsächlichen Arbeit?
So lässt sich die Fütterung besser an das einzelne Pferd anpassen.
Bewegung, Alltag & Kräuter sinnvoll einbinden
Neben der Ration gehört regelmäßige Bewegung zum täglichen Pferdemanagement.
Dabei muss nicht jede Einheit aus intensivem Training bestehen.
Je nach Pferd und Haltung können beispielsweise:
- Weide- oder Paddockbewegung,
- Spaziergänge,
- Reiten,
- Bodenarbeit
- oder andere passende Bewegungsformen
Teil des Tagesablaufs sein.
Besonders Pferde, die sich in ihrer Haltung nur wenig selbstständig bewegen können, profitieren von einem Alltag, in dem regelmäßige Bewegung bewusst eingeplant wird.
Training an das Pferd anpassen
Sehr intensive Trainingseinheiten sind nicht automatisch besser.
Das Training sollte zu Kondition, Ausbildungsstand und Tagesform des Pferdes passen. Belastung und Erholung gehören dabei zusammen.
Gerade wenn das Pferd weniger motiviert wirkt oder aktuell deutlich stärker gearbeitet wird, lohnt es sich, auch den Trainingsplan kritisch zu betrachten.
Kräuter als Bestandteil der Ration
Auch verschiedene Kräuter und Kräutermischungen werden traditionell als Ergänzung in der Pferdefütterung eingesetzt.
Wer solche Produkte füttern möchte, sollte sie als Bestandteil der gesamten Ration betrachten.
Achte dabei insbesondere auf:
- Zusammensetzung,
- empfohlene Tagesmenge,
- Fütterungsdauer
- und mögliche Überschneidungen mit anderen Ergänzungsfuttermitteln.
Kräuter ersetzen keine bedarfsgerechte Grundfütterung. Die Basis bleiben eine passende Raufutterversorgung, eine auf das Pferd abgestimmte Ergänzung und ein geeigneter Bewegungsalltag.
Fazit: Bei „Übersäuerung“ die gesamte Pferdefütterung betrachten
Wird bei einem Pferd über eine mögliche Übersäuerung gesprochen, lohnt es sich vor allem, nicht nur ein einzelnes Futtermittel in den Blick zu nehmen.
Entscheidend ist die gesamte Ration.
Stärke- und Zuckergehalt, Kraftfuttermenge, Raufutterqualität und Fresspausen sollten dabei gemeinsam betrachtet werden. Auch Heu und Heucobs können je nach Produkt beziehungsweise Charge unterschiedliche Zuckermengen enthalten.
Raufutter bleibt trotzdem die Grundlage der Pferdefütterung. In den vorliegenden Empfehlungen werden etwa 1 bis 1,5 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht als Orientierung genannt. Gleichzeitig sollten lange Fresspausen möglichst vermieden werden.
Ergänzend gehört regelmäßige, zum Pferd passende Bewegung zu einem ausgewogenen Alltag. Kräuter können je nach Produkt Bestandteil einer individuell abgestimmten Ration sein, sollten aber nicht an die Stelle einer sorgfältigen Fütterungsplanung treten.
Wirkt dein Pferd plötzlich deutlich anders als gewohnt oder bleiben Auffälligkeiten bestehen, sollte die Ursache nicht allein bei der Fütterung gesucht, sondern fachkundig abgeklärt werden.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Übersäuerung beim Pferd?
Mit „Übersäuerung“ wird im Pferdealltag häufig ein mögliches Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt beschrieben. Der Körper besitzt jedoch natürlicherweise sowohl saure als auch basische Bereiche. Deshalb sollte nicht jede Veränderung des Pferdes automatisch mit einer Übersäuerung erklärt werden.
Kann die Fütterung den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen?
Im Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Haushalt wird unter anderem die Zusammensetzung der Ration betrachtet. Besonders große Mengen stärkereicher Futtermittel sowie die gesamte Zuckeraufnahme können dabei relevant sein.
Wie viel Raufutter sollte ein Pferd bekommen?
In den vorliegenden Empfehlungen werden etwa 1 bis 1,5 kg Raufutter je 100 kg Körpergewicht pro Tag als Faustformel genannt. Die genaue Ration sollte an das einzelne Pferd und dessen Haltung angepasst werden.
Wie lange dürfen Fresspausen beim Pferd sein?
Als Orientierung wird eine maximale Fresspause von etwa vier Stunden am Stück genannt. Raufutter und Fütterungszeiten können entsprechend über den Tag verteilt werden.
Enthält Heu Zucker?
Ja. Der Zuckergehalt von Heu kann je nach Pflanzenbestand, Erntezeitpunkt und Charge variieren. Auch Heucobs können unterschiedliche Zuckergehalte aufweisen.
Braucht ein Pferd bei Übersäuerung weniger Kraftfutter?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Sinnvoll ist es, die gesamte Ration und insbesondere Stärke-, Zucker- und Energiezufuhr zu überprüfen. Nicht jedes Pferd benötigt größere Mengen Kraftfutter.
Welche Rolle spielt Bewegung?
Regelmäßige Bewegung gehört zu einem ausgewogenen Pferdealltag. Neben freier Bewegung auf Paddock oder Weide können beispielsweise Reiten, Spaziergänge oder Bodenarbeit eingeplant werden. Umfang und Intensität sollten zum individuellen Pferd passen.