Hufrehe beim Pferd: Ursachen erkennen und Management anpassen
Bei Hufrehe beim Pferd denken viele zunächst an den Beginn der Weidesaison und besonders gehaltvolles Frühlingsgras. Doch das Thema ist deutlich komplexer. Eine Hufrehe kann zu unterschiedlichen Jahreszeiten auftreten und verschiedene Auslöser haben.
Hufrehe ist eine entzündliche Erkrankung der Huflederhaut, die für das Pferd sehr schmerzhaft sein und einen schweren Verlauf nehmen kann. Umso wichtiger ist es, mögliche Risikofaktoren frühzeitig im Blick zu behalten und bei ersten Auffälligkeiten tierärztlichen Rat einzuholen.
Neben der tierärztlichen Betreuung spielen im weiteren Management unter anderem Fütterung, Körpergewicht, Haltung und Bewegung eine wichtige Rolle. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welche Faktoren rund um ein Hufrehepferd berücksichtigt werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Hufrehe beim Pferd?
- Welche Auslöser kann eine Hufrehe haben?
- Hufrehe ist nicht nur ein Thema im Frühjahr
- Gewicht und Fütterung beim Hufrehepferd im Blick behalten
- Bewegung nach einer Hufrehe richtig planen
- Ration und langfristiges Management überprüfen
- Fazit: Bei Hufrehe zählt das gesamte Management
- Häufig gestellte Fragen
Was ist Hufrehe beim Pferd?
Die Hufrehe ist eine entzündliche Erkrankung im Bereich der Huflederhaut. Sie kann für das Pferd ausgesprochen schmerzhaft sein und sollte deshalb immer ernst genommen werden.
Besonders wichtig: Die Entwicklung kann früher beginnen, als äußerlich deutliche Veränderungen auffallen.
Bei Verdacht auf Hufrehe sollte daher nicht zunächst mit verschiedenen Futtermitteln oder Hausmitteln experimentiert werden. Die tierärztliche Abklärung steht an erster Stelle.
Einmal Hufrehe – dauerhaft aufmerksam bleiben
Hat ein Pferd bereits eine Hufrehe durchgemacht, sollte sein weiteres Management besonders sorgfältig geplant werden.
Je nach individuellem Verlauf können die Hufe längere Zeit benötigen, um wieder nachzuwachsen. Auch Faktoren wie:
- Alter,
- Körpergewicht,
- Belastung,
- Stress
- und Hufabrieb
können bei der weiteren Beobachtung eine Rolle spielen.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur den Huf selbst, sondern das gesamte Pferd und seinen Alltag im Blick zu behalten.
Welche Auslöser kann eine Hufrehe haben?
Einen einzigen Auslöser für Hufrehe gibt es nicht.
Häufig wird zunächst an zu viel Gras im Frühjahr gedacht. Daneben können jedoch weitere Faktoren und gesundheitliche Zusammenhänge eine Rolle spielen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Stoffwechselproblematiken wie EMS,
- Veränderungen im Insulinstoffwechsel,
- eine ungeeignete oder zu energiereiche Futterration,
- sehr hohe Stärkeaufnahme,
- Überfütterung,
- starke oder einseitige Belastung,
- Vergiftungen,
- besondere körperliche Belastungen rund um eine Geburt
- sowie bestimmte Medikamente.
Auch andere gesundheitliche Situationen können bei der tierärztlichen Ursachenfindung berücksichtigt werden.
Gerade deshalb ist es wichtig, nicht automatisch nur das Gras oder ein einzelnes Futtermittel verantwortlich zu machen.
Die gesamte Situation betrachten
Bei der Ursachenforschung sollten mehrere Bereiche gemeinsam betrachtet werden:
Wie sieht die tägliche Fütterung aus? Wie viel bewegt sich das Pferd? Wie ist sein Körperzustand? Gibt es bestehende Erkrankungen oder Veränderungen im Alltag?
Eine solche Gesamtbetrachtung ist besonders wichtig, wenn ein Pferd wiederholt Probleme zeigt.
Hufrehe ist nicht nur ein Thema im Frühjahr
Der Beginn der Weidesaison ist eine typische Zeit, in der Pferdehalter besonders aufmerksam auf das Thema Hufrehe schauen.
Trotzdem gilt: Hufrehe kann grundsätzlich auch zu anderen Jahreszeiten auftreten.
Auch im Herbst oder Winter können Faktoren vorhanden sein, die bei einem empfindlichen Pferd berücksichtigt werden müssen.
Deshalb sollte das Management eines Pferdes mit entsprechender Vorgeschichte nicht allein auf das Frühjahr beschränkt werden.
Weidegang individuell planen
Gerade bei Pferden mit Stoffwechselproblemen oder einer früheren Hufrehe sollte der Weidegang individuell beurteilt werden.
Ein pauschaler Plan für alle Pferde ist wenig sinnvoll.
Dabei können unter anderem eine Rolle spielen:
- Dauer des Weidegangs,
- Zustand der Weide,
- Zusammensetzung des Grases,
- Körpergewicht des Pferdes,
- Bewegung
- und die übrige Futterration.
Bei Pferden mit entsprechender Vorgeschichte sollte die Weideplanung mit den betreuenden Fachpersonen abgestimmt werden.
Gewicht und Fütterung beim Hufrehepferd im Blick behalten
Bei vielen Pferden spielt das Körpergewicht eine wichtige Rolle im langfristigen Management.
Ein Pferd sollte weder einfach auf Verdacht stark heruntergefüttert noch weiterhin mit einer deutlich über dem Bedarf liegenden Energiemenge versorgt werden.
Stattdessen ist ein genauer Futterplan sinnvoll.
Futterration genau erfassen
Zur täglichen Ration gehören nicht nur Kraft- und Mineralfutter.
Berücksichtigt werden sollten beispielsweise:
- Heu und anderes Raufutter,
- Weidegras,
- Kraftfutter,
- Mineralfutter,
- Ergänzungsfuttermittel
- und Leckerlis.
Gerade bei einem Pferd, das vorübergehend nicht oder nur eingeschränkt bewegt werden darf, sollte die Energiezufuhr zur tatsächlichen Aktivität passen.
Gewicht regelmäßig kontrollieren
Eine Pferdewaage liefert die genaueste Angabe zum Gewicht.
Ist keine Waage verfügbar, können ein Gewichtsmaßband sowie regelmäßige Beurteilungen des Körperzustands dabei helfen, Veränderungen zu dokumentieren.
Dazu eignen sich beispielsweise auch:
- der Body Condition Score (BCS)
- und der Cresty Neck Score (CNS).
So lässt sich die Entwicklung über einen längeren Zeitraum besser nachvollziehen als allein mit dem täglichen Blick auf das Pferd.
Bewegung nach einer Hufrehe richtig planen
Bewegung gehört bei vielen Pferden langfristig zu einem guten Gewichts- und Haltungsmanagement.
Nach einer Hufrehe gilt allerdings ein besonders wichtiger Grundsatz:
Bewegung erst dann, wenn sie tierärztlich wieder erlaubt ist.
Solange das Pferd nicht bewegt werden darf, sollte nicht versucht werden, durch zusätzliche Aktivität die Gewichtsentwicklung zu beeinflussen.
In dieser Phase rückt vor allem eine sorgfältige Rationsplanung in den Vordergrund.
Bewegung langsam wieder aufbauen
Hat die Tierärztin oder der Tierarzt Bewegung wieder freigegeben, sollte der Wiedereinstieg an das einzelne Pferd angepasst werden.
Der genaue Umfang hängt unter anderem von:
- Verlauf der Hufrehe,
- aktuellem Hufzustand,
- Körpergewicht,
- Kondition
- und allgemeiner Belastbarkeit
ab.
Ein Pferd nach längerer Bewegungspause sollte nicht direkt in ein intensives Trainingsprogramm einsteigen.
Regelmäßigkeit statt schneller Steigerung
Ist Bewegung wieder möglich, kann ein langsamer und kontinuierlicher Aufbau besser planbar sein als einzelne intensive Einheiten.
Wie schnell gesteigert werden darf, sollte immer individuell festgelegt werden.
Ration und langfristiges Management überprüfen
Bei einem Pferd mit Hufrehe reicht es nicht, ausschließlich auf ein einzelnes Ergänzungsfuttermittel zu schauen.
Viel wichtiger ist die gesamte Ration.
Je nach Fütterung können dabei beispielsweise Aminosäuren, B-Vitamine oder Biotin Bestandteil der Nährstoffversorgung sein.
Auch Produkte mit MSM oder verschiedene Kräutermischungen werden für Pferde angeboten.
Dabei gilt jedoch: Solche Produkte behandeln keine Hufrehe und ersetzen weder die tierärztliche Versorgung noch ein passendes Fütterungs- und Gewichtsmanagement.
Ergänzungsfutter nicht wahllos kombinieren
Bevor zusätzliche Produkte in die Ration aufgenommen werden, sollte überprüft werden:
- Was bekommt das Pferd bereits?
- Welche Nährstoffe sind im Mineralfutter enthalten?
- Gibt es Überschneidungen zwischen Produkten?
- Passt die Gesamtmenge zum Pferd?
- Was ist das konkrete Ziel der Ergänzung?
So lässt sich vermeiden, dass aus Sorge vor einer Unterversorgung zahlreiche Produkte gleichzeitig gefüttert werden.
Wiederkehrende Hufrehe: Gesamtsituation neu betrachten
Tritt eine Hufrehe wiederholt auf oder entwickelt sich das Pferd über längere Zeit nicht wie erwartet, sollte die Situation noch einmal umfassend betrachtet werden.
Dazu gehören:
Pferd, Haltung, Fütterung, Körpergewicht und Bewegung.
Auch die Zusammenarbeit von Tierarzt, Hufbearbeitung beziehungsweise Hufschmied und gegebenenfalls einer unabhängigen Futterberatung kann dabei sinnvoll sein.
Fazit: Bei Hufrehe zählt das gesamte Management
Hufrehe ist deutlich mehr als ein typisches Problem zum Beginn der Weidesaison. Unterschiedliche Faktoren können eine Rolle spielen und eine Hufrehe kann grundsätzlich zu verschiedenen Jahreszeiten auftreten.
Hat ein Pferd bereits eine Hufrehe erlebt, sollten Fütterung, Körpergewicht, Haltung, Bewegung und Hufmanagement langfristig aufmerksam begleitet werden.
Darf das Pferd zunächst nicht bewegt werden, ist eine bedarfsgerecht angepasste Futterration besonders wichtig. Sobald Bewegung wieder tierärztlich freigegeben wurde, kann diese schrittweise und passend zum aktuellen Zustand aufgebaut werden.
Ergänzungsfuttermittel können Bestandteil einer individuell zusammengestellten Ration sein. Sie ersetzen jedoch weder die Ursachenklärung noch die notwendige tierärztliche Betreuung.
Bei Verdacht auf eine akute Hufrehe gilt deshalb immer: zeitnah tierärztlichen Rat einholen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Hufrehe beim Pferd?
Hufrehe ist eine entzündliche Erkrankung im Bereich der Huflederhaut. Sie ist für das Pferd schmerzhaft und sollte immer tierärztlich abgeklärt und begleitet werden.
Kann Hufrehe auch im Winter auftreten?
Ja. Hufrehe ist nicht ausschließlich ein Problem während des Anweidens. Unterschiedliche Auslöser können dazu führen, dass sie auch zu anderen Jahreszeiten auftritt.
Welche Ursachen kann Hufrehe beim Pferd haben?
Mögliche Auslöser und Zusammenhänge sind unter anderem Stoffwechselproblematiken, Übergewicht, eine ungeeignete Futterration, eine hohe Stärkeaufnahme, Überbelastung, Vergiftungen oder bestimmte Medikamente. Die individuelle Ursache sollte tierärztlich abgeklärt werden.
Darf ein Pferd nach einer Hufrehe bewegt werden?
Das entscheidet die behandelnde Tierärztin oder der behandelnde Tierarzt. Bewegung sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn sie ausdrücklich freigegeben wurde. Anschließend sollte die Belastung langsam gesteigert werden.
Wie kann ich das Gewicht eines Hufrehepferdes kontrollieren?
Am genauesten ist eine Pferdewaage. Ergänzend können Gewichtsmaßband, Body Condition Score (BCS) und Cresty Neck Score (CNS) genutzt werden, um Veränderungen regelmäßig zu dokumentieren.
Welche Fütterung braucht ein Pferd nach einer Hufrehe?
Eine pauschale Fütterungsempfehlung gibt es nicht. Die Ration sollte zum Körpergewicht, zur aktuellen Bewegung, zum Raufutter und zum individuellen Bedarf des Pferdes passen. Besonders bei eingeschränkter Bewegung ist eine genaue Futterplanung sinnvoll.
Welche Ergänzungsfuttermittel können bei einem Hufrehepferd gefüttert werden?
Je nach Gesamtration können beispielsweise Produkte mit Aminosäuren, B-Vitaminen, Biotin, MSM oder Kräutern angeboten werden. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, sollte anhand der gesamten Nährstoffversorgung beurteilt werden. Ergänzungsfuttermittel ersetzen keine Behandlung der Hufrehe.