Borreliose beim Pferd: Symptome, Behandlung & Fütterung
Sobald die Tage wärmer werden, erwachen im Unterholz und auf den Weiden lästige Parasiten: Zecken. Ein Zeckenbiss ist für dein Pferd meistens harmlos, doch die kleinen Blutsauger können gefährliche Borrelien übertragen. Die durch Bakterien ausgelöste Borreliose ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die Tierärzte und Pferdebesitzer gleichermaßen vor Herausforderungen stellt. Da das Krankheitsbild häufig schleichend verläuft und die Anzeichen unspezifisch sind, ist es gar nicht so einfach, eine Borreliose beim Pferd zu erkennen.
Symptome und Warnsignale
Nachdem eine Zecke den Erreger Borrelia burgdorferi übertragen hat, beginnt die Inkubationszeit, die Wochen bis Monate dauern kann. Anders als beim Menschen ist die typische Wanderröte (Erythema migrans), eine kreisförmige Hautrötung um die Einstichstelle, durch das dichte Fell des Pferdes kaum sichtbar oder bleibt ganz aus.
Die Borreliose-Symptome zeigen sich meist wellenartig und betreffen verschiedene Organsysteme:
- Bewegungsapparat: Häufige, wechselnde Lahmheiten ohne erkennbare Ursache, steifer Gang, Muskelverspannungen oder schmerzhafte Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis).
- Allgemeinbefinden: Dein Pferd wirkt matt, zeigt Phasen von Abgeschlagenheit oder erhöhter Temperatur und verliert an Appetit. Auch Lymphknotenschwellungen können auftreten.
- Nervensystem & Verhalten: Ist das Nervensystem betroffen (Neuroborreliose), kann es zu Berührungsempfindlichkeiten an der Haut, Wesensveränderungen oder Koordinationsstörungen kommen.
Da diese Symptome auch auf viele andere Erkrankungen passen, bleibt die Infektion oft lange unentdeckt. Bleibt die Krankheit unbehandelt, droht eine chronische Borreliose mit Spätfolgen, wie dauerhafte Gelenkschäden (Arthritis) oder Organschäden.
Der Weg zur sicheren Diagnose
Um eine Borreliose-Diagnose sicherzustellen, reicht ein einfacher Bluttest meist nicht aus. Die moderne Labordiagnostik setzt auf ein zweistufiges Verfahren. Zunächst wird im Blut nach Antikörpern gegen die Borrelien gesucht. Ein positiver Test zeigt jedoch nur, dass das Pferd irgendwann Kontakt mit dem Erreger hatte, er beweist nicht, dass die aktuelle Erkrankung vorliegt. Erst ein Bestätigungstest (der sogenannte Immunoblot) liefert genaue Hinweise.
Die Borreliose-Therapie beim Pferd: Was hilft wirklich?
Steht fest, dass die Borreliose active ist, muss schnell gehandelt werden. Die klassische Behandlung stützt sich auf eine gezielte Antibiotikabehandlung, um die Borrelia-Bakterien im Körper zu bekämpfen.
- Antibiotika: Zum Einsatz kommen meist hochdosierte Wirkstoffe wie Doxycyclin, Amoxicillin oder in schweren Fällen Ceftriaxon. Diese Medikamente müssen über mehrere Wochen exakt nach Vorgabe verabreicht werden.
- Borreliose-Therapie: Neben der Bekämpfung der Erreger geht es darum, die Entzündungen im Körper einzudämmen und Schmerzen zu lindern. Unterstützend können entzündungshemmende Präparate eingesetzt werden, um die Gelenke zu entlasten.
Fütterung und Regeneration
Eine mehrwöchige Antibiotika-Therapie rettet zwar Leben, greift aber gleichzeitig die empfindliche Darmflora des Pferdes an. Genau hier kommt das Thema Fütterung ins Spiel. Ziel ist es, den Darm zu entlasten, das Immunsystem zu stärken und den Entgiftungsstoffwechsel zu unterstützen.
Das kannst du in der Futterkammer tun:
- Darmflora aufbauen: Nach oder bereits während der Antibiotika-Gabe helfen Ergänzungsfuttermittel (z.B. Bierhefe oder spezielle Darmkräuter), um das Mikrobiom im Dickdarm wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
- Entgiftung ankurbeln: Die Leber und Nieren leisten Schwerstarbeit, um Stoffwechselgifte und Medikamentenreste abzubauen. Kräuterfutter mit Mariendistel und Löwenzahn unterstützen diese Entgiftungsorgane sanft.
- Immunsystem stärken: Vitamine und Spurenelemente wie Zink, Selen und Vitamin C kurbeln die körpereigene Immunantwort an, damit die verbliebenen Borreliose-Erreger selbstständig abgewehrt werden können.
- Mash füttern: Ein leicht verdauliches, magenschonendes Mash liefert wichtige Schleimstoffe und fördert die Futteraufnahme, wenn das Pferd während der Krankheitsphase appetitlos ist.
Vorsorge ist der beste Zeckenschutz
Da die Behandlung langwierig sein kann, ist der beste Schutz vor Borreliose, einen Zeckenbiss gar nicht erst zuzulassen. Spezielle Fliegensprays halten die beißenden Biester von vornherein fern. Dennoch solltest du dein Pferd ab dem Frühjahr nach jedem Koppelgang absuchen, besonders an dünnhäutigen Stellen wie den Innenseiten der Beine, am Bauch oder am Kopf.
Solltest du einen Blutsauger entdecken, gehe bei der Zeckenentfernung am besten wie folgt vor:
- Werkzeug wählen: Nutze eine spezielle Zeckenzange, eine Zeckenkarte oder eine stabile Pinzette.
- Richtig ansetzen: Greife die Zecke so nah wie möglich an der Hautoberfläche des Pferdes.
- Vorsichtig ziehen: Ziehe den Parasiten langsam, gleichmäßig und gerade heraus. Vermeide es, die Zecke zu quetschen oder zu drehen. Achtung: Wenn der Kopf stecken bleibt, bekommst du ihn nicht mehr selbst heraus. Dann ist ein Gang zum Tierarzt zwingend erforderlich.
- Nachbereiten: Desinfiziere die Einstichstelle anschließend mit einem geeigneten Hautdesinfektionsmittel und behalte die Stelle in den nächsten Tagen im Auge.
Mit einem aufmerksamen Auge und einer angepassten Fütterung hilfst du deinem Pferd geschützt durch die Zeckensaison zu kommen.