Pferd richtig anweiden: So gelingt der Start in die Weidesaison
Wenn im Frühjahr die Weidesaison beginnt, freuen sich viele Pferde sichtbar auf das erste frische Gras. Trotzdem sollte der Wechsel von der Winterfütterung auf die Weide nicht plötzlich erfolgen. Beim Anweiden wird das Pferd langsam von überwiegend trockenem Heu auf sehr wasserreiches Gras umgestellt.
Dabei gibt es keinen festen Monat und keinen Plan, der für jeden Stall gleichermaßen funktioniert. Wetter, Bodentemperatur, Graswachstum, Weidemanagement und natürlich das einzelne Pferd spielen eine wichtige Rolle.
In diesem Ratgeber erfährst du, wann der richtige Zeitpunkt zum Anweiden ist, wie lange dein Pferd anfangs auf die Weide sollte und worauf bei empfindlichen Pferden besonders zu achten ist.
Inhaltsverzeichnis
- Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Anweiden?
- Warum Pferde langsam angeweidet werden sollten
- So lange darf das Pferd anfangs auf die Weide
- Anweiden bei empfindlichen Pferden
- Fressbremse beim Pferd: sinnvoll oder nicht?
- Weide, Bewegung & Fütterung richtig kombinieren
- Fazit: Langsam anweiden statt nach Kalender vorgehen
- Häufig gestellte Fragen
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Anweiden?
Den einen richtigen Monat zum Anweiden gibt es nicht.
Wann die Pferde auf die Weide kommen können, hängt stark von den jeweiligen Bedingungen am Stall ab. Manche Betriebe verfügen über mehrere Weideflächen für einzelne Pferdegruppen, andere müssen eine Fläche über die gesamte Saison hinweg nutzen.
Auch das Wachstum der Wiese und das Wetter bestimmen den richtigen Zeitpunkt.
Februar und März sind häufig noch zu früh
Im Februar und März ist es für das Anweiden in vielen Fällen noch zu früh.
Damit das Gras überhaupt deutlich zu wachsen beginnt, benötigt der Boden eine Temperatur von konstant etwa 5 Grad Celsius.
Ein sinnvoller Orientierungspunkt ist der Entwicklungsstand der Gräser. Mit dem Anweiden kann begonnen werden, wenn die Gräser anfangen zu blühen.
Die häufig genannte Bierflaschenregel, bei der die Graslänge mit einer aufgestellten Bierflasche verglichen wird, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Ganz kurz sollte das Gras jedoch ebenfalls nicht sein.
Blühender Löwenzahn bedeutet nicht automatisch Weidebeginn
Ein häufiger Irrtum: Wenn der Löwenzahn blüht, wird es Zeit fürs Anweiden.
Löwenzahn ist jedoch keine Gräsersorte. Seine Blüte sagt deshalb nicht automatisch aus, dass sich auch die Gräser bereits im passenden Entwicklungsstadium befinden.
Es lohnt sich also, tatsächlich einen Blick auf die Gräser der Weide zu werfen.
Warum Pferde langsam angeweidet werden sollten
Während der Winterfütterung besteht die Ration vieler Pferde hauptsächlich aus Heu und ergänzenden Futtermitteln. Frisches Weidegras unterscheidet sich davon deutlich.
Beim Anweiden wird das Pferd nach und nach auf sehr wasserreiches frisches Gras umgestellt.
Deshalb sollte die Weidezeit langsam gesteigert werden, damit sich der Organismus an die veränderte Fütterung gewöhnen kann.
Kotwasser beim Anweiden
Gerade zu Beginn der Weidesaison kann vorübergehend Kotwasser auftreten.
Dann lohnt es sich, den bisherigen Anweideplan kritisch zu betrachten: Wurde die Weidezeit vielleicht zu schnell gesteigert?
Statt einfach mit dem ursprünglichen Plan weiterzumachen, kann es sinnvoll sein, die Dauer zunächst nicht weiter zu erhöhen oder kleinere Schritte zu wählen.
Ein Salzleckstein sollte zur Verfügung stehen
Sowohl während des Anweidens als auch später in der Weidesaison sollte dem Pferd ein Salzleckstein zur freien Verfügung stehen.
Auch dieser Punkt sollte bereits beim Start in die neue Weidesaison berücksichtigt werden.
So lange darf das Pferd anfangs auf die Weide
Für Pferde ohne besondere Auffälligkeiten kann beispielsweise mit etwa 15 Minuten Weidezeit begonnen werden.
Auch kürzere Intervalle sind möglich.
Wichtiger als ein möglichst schneller Aufbau ist eine regelmäßige und stetige Gewöhnung.
Es bringt wenig, die Weidezeit bei jedem Besuch deutlich zu erhöhen, wenn das Pferd nur alle fünf Tage Gras bekommt. Das Anweiden sollte möglichst kontinuierlich erfolgen.
Beispiel für einen langsamen Einstieg
Bei einem unauffälligen Pferd kann der Einstieg beispielsweise so aussehen:
- zunächst etwa 15 Minuten Weidezeit,
- anschließend die Dauer langsam steigern,
- bei Auffälligkeiten die Steigerung reduzieren,
- erst nach einer ausreichenden Gewöhnungsphase längere Weidezeiten einplanen.
Der genaue Verlauf bleibt individuell. Entscheidend ist, das Pferd zu beobachten und nicht nur nach einem starren Kalender vorzugehen.
Vorher Heu füttern
Bevor das Pferd zum Anweiden auf die Wiese kommt, sollte es möglichst bereits Heu gefressen haben.
So geht es nicht mit großem Hunger auf das frische Gras.
Dieser einfache Punkt lässt sich im Stallalltag gut umsetzen und gehört zu einem kontrollierten Anweidemanagement dazu.
Anweiden bei empfindlichen Pferden
Bei einigen Pferden ist beim Anweiden besondere Vorsicht gefragt.
Dazu gehören insbesondere:
- Pferde mit Stoffwechselproblemen,
- übergewichtige Pferde,
- Pferde mit aktueller oder früherer Hufrehe,
- Pferde mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt,
- Pferde, die bereits eine Kolik hatten oder als kolikanfällig gelten.
Für diese Pferde kann eine 24-stündige Weidehaltung ungeeignet sein. Je nach individuellem Pferd können kürzere Weidezeiten oder auch der Verzicht auf Weide die passendere Lösung darstellen.
Später starten und früher wieder abweiden
Empfindliche Pferde sollten häufig später als unauffällige Pferde angeweidet und entsprechend auch früher wieder von längeren Weidezeiten heruntergenommen werden.
Besonders wichtig ist eine sehr vorsichtige Steigerung.
Statt größerer Zeitsprünge können hier beispielsweise maximal fünf Minuten längere Weidezeit pro Schritt gewählt werden.
Je sensibler das Pferd reagiert, desto wichtiger ist ein langsames Vorgehen.
Fressbremse beim Pferd: sinnvoll oder nicht?
Gerade bei leichtfuttrigen oder übergewichtigen Pferden wird häufig über eine Fressbremse nachgedacht.
Sie kann eine Möglichkeit sein, die Grasaufnahme auf der Weide zu begrenzen.
Allerdings sollte eine Fressbremse nicht einfach als unkomplizierte Dauerlösung betrachtet werden.
Mögliche Nachteile sind:
- eine stärkere Abnutzung der Zähne,
- Druck- oder Scheuerstellen an den Lippen,
- und eine sehr unterschiedliche tatsächliche Begrenzung der Grasaufnahme.
Manche Pferde lernen erstaunlich schnell, mit der Fressbremse umzugehen und können nach einer gewissen Eingewöhnung wieder größere Mengen Gras aufnehmen.
Deshalb sollte immer beobachtet werden, wie das einzelne Pferd mit der Fressbremse zurechtkommt und ob sie tatsächlich den gewünschten Effekt hat.
Weide, Bewegung & Fütterung richtig kombinieren
Das Anweiden besteht nicht nur daraus, die Minuten auf der Wiese zu zählen.
Auch die Fütterung und Bewegung rund um die Weidezeit sollten berücksichtigt werden.
Bewegung nach dem Anweiden
Während des Anweidens und später während der Weidesaison sollte ausreichend Bewegung eingeplant werden.
Direkt nach dem Anweiden kann Bewegung sinnvoll in den Tagesablauf integriert werden.
Hat das Pferd allerdings größere Mengen Gras aufgenommen, sollte die anschließende Arbeit entsprechend angepasst werden. Dann eignen sich vor allem Schrittphasen und gegebenenfalls kurze Trababschnitte.
Warum eine „Hungerweide“ nicht unbedingt wenig Energie bedeutet
Sehr kurz abgefressene Weiden werden häufig als Hungerweiden bezeichnet.
Der Begriff kann jedoch irreführend sein.
Eine ständig sehr kurz gehaltene Grasnarbe steht unter hoher Belastung. Das Gras wird immer wieder schnell abgefressen und wächst erneut nach.
Eine Weide mit sehr kurzem Bewuchs ist deshalb nicht automatisch die beste Lösung, wenn die Grasaufnahme reduziert werden soll.
Eine passendere „Hungerweide“ wäre eher eine Fläche mit:
- Gras nach der Blüte,
- möglichst hoher Artenvielfalt,
- und wenig Hochleistungsgras.
Beim Weidemanagement zählt also nicht allein die Höhe des Grases, sondern auch dessen Entwicklungsstadium und Zusammensetzung.
Fazit: Langsam anweiden statt nach Kalender vorgehen
Beim Anweiden im Frühjahr gibt es keinen festen Monat, an dem jedes Pferd automatisch auf die Weide gehört.
Entscheidend sind Graswachstum, Bodentemperatur, Wetter, Weideflächen und das individuelle Pferd.
Für unauffällige Pferde kann der Einstieg beispielsweise bei etwa 15 Minuten beginnen und anschließend stetig und langsam gesteigert werden. Empfindliche Pferde benötigen meist noch kleinere Schritte und ein besonders vorsichtiges Weidemanagement.
Vor dem Anweiden sollte das Pferd Heu bekommen haben. Ein Salzleckstein sollte zur Verfügung stehen und auch ausreichende Bewegung gehört zum Management rund um die Weidesaison.
Vor allem gilt: Nicht möglichst schnell auf lange Weidezeiten kommen, sondern das Pferd aufmerksam beobachten und den Anweideplan an seine individuellen Bedürfnisse anpassen.
Häufig gestellte Fragen
Wann sollte man ein Pferd im Frühjahr anweiden?
Einen festen Monat gibt es nicht. Der Zeitpunkt hängt vom Wetter, der Bodentemperatur, dem Graswachstum und den Bedingungen am jeweiligen Stall ab. Im Februar und März ist es häufig noch zu früh. Ein Orientierungspunkt ist, wenn die Gräser beginnen zu blühen.
Wie lange sollte ein Pferd am ersten Tag angeweidet werden?
Bei Pferden ohne besondere Auffälligkeiten kann beispielsweise mit etwa 15 Minuten begonnen werden. Kürzere Zeiten sind ebenfalls möglich. Entscheidend ist eine langsame und regelmäßige Steigerung.
Wie schnell darf die Weidezeit erhöht werden?
Das hängt vom Pferd ab. Bei empfindlichen Pferden sollte besonders vorsichtig vorgegangen werden, beispielsweise mit Steigerungen von maximal etwa fünf Minuten. Wichtig ist vor allem, regelmäßig und nicht nur alle paar Tage anzuweiden.
Sollte ein Pferd vor dem Anweiden Heu bekommen?
Ja, das Pferd sollte vor dem Gang auf die Weide möglichst bereits Heu gefressen haben. Dadurch geht es nicht mit sehr großem Hunger auf das frische Gras.
Welche Pferde müssen besonders vorsichtig angeweidet werden?
Besondere Vorsicht gilt unter anderem bei übergewichtigen Pferden, Pferden mit Stoffwechselproblemen, Pferden mit aktueller oder früherer Hufrehe sowie bei empfindlichen oder kolikanfälligen Pferden.
Ist eine Fressbremse beim Anweiden sinnvoll?
Eine Fressbremse kann zur Begrenzung der Grasaufnahme in Betracht gezogen werden. Sie hat jedoch auch mögliche Nachteile, etwa Scheuerstellen an den Lippen oder eine stärkere Zahnabnutzung. Außerdem lernen manche Pferde schnell, trotz Fressbremse effizient Gras aufzunehmen.
Was ist eine gute Hungerweide für Pferde?
Eine extrem kurz abgefressene Weide ist nicht automatisch eine geeignete Hungerweide. Sinnvoller kann eine Fläche mit Gras nach der Blüte, hoher Artenvielfalt und möglichst wenig Hochleistungsgras sein.