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Erste Hilfe Ratgeber

Für Notfälle gerüstet zu sein ist immer gut!
Jederzeit kann eine Situation entstehen, wo schnelle und
vor allem richtige Hilfe vonnöten ist. Erste Hilfe darf den
Tierarzt aber nicht ersetzen; sie soll die kritische Zeit bis
zum Eintreffen des Tierarztes überbrücken.





Allgemeine Untersuchung des Pferdes
Messen Sie die Normalwerte am gesunden Pferd,
damit der Unterschied im Notfall ersichtlich wird.


Körperhaltung und Verhalten
normal belastet alle vier Gliedmaßen gleich,
              ruhig/lebhaft und aufmerksam

auffällig: eine Gliedmaße entlastet, "tippeln",
             matt, apathisch, appetitlos oder unruhig.


Körpertemperatur
normal:   ausgewachsenes Pferd: 37,0-38,3 °C
              Fohlen: 37,5-38,7 °C

auffällig: erhöhte Temperatur, Appetitlosigkeit,
             Mattheit (liegen, schwitzen, schlapp,
             Fliegen sitzen auf dem Rücken)


Schleimhäute
Beurteilung in Maul und Auge

normal
:   feucht, blassrosa, glatt, glänzend

auffällig: Rötung, Blässe, Blau- oder Gelbfärbung,
             matt, starke Zeichnung der Gefäße


Kreislauf
Der Kreislauf wird mittels der KFZ, der kapillären
Befüllungszeit, beurteilt. Mit dem Daumen wird
für ca. 2 Sek. auf das Zahnfleisch gedrückt, dadurch
weicht das Blut aus den Gefäßen (Kapillaren) und
das Zahnfleisch erscheint weiß. Nun die Zeit
messen, die das Zahnfleisch braucht, um die ursprüngliche
blassrosa Farbe wieder anzunehmen.

normal
:   unter 2 sek.

auffällig: über 2 sek. = verzögert

            


Puls
Messen durch Fühlen am Unterkieferwinkel,
Fesselkopf oder Unterseite der Schweifrübe.
Minute die Schläge zählen und mit 4 multiplizieren.

normal
:   28–40 Schläge pro Minute; kräftig,
              regelmäßig, gleichmäßig, Gefäß gut
              gefüllt und gespannt

auffällig: erhöhte/erniedrigte Frequenz;
             unregelmäßig, schwach, pochend

        
        Den Puls Ihres Pferdes fühlen Sie am
        Fesselkopf, an der Unterseite der Schweißrübe
        oder am Unterkieferwinkel. Die Kontrolle der 
        Kehlgangslymphknoten erfolgt zwischen den
        Unterkieferkästen.
Lymphknoten
Kontrolle der Kehlgangslymphknoten erfolgt zwischen den Unterkieferästen.

normal
:   erbsen- bis haselnussgroß, individuell unterschiedlich

auffällig: vergrößert, warm, schmerzhaft

Herz
Beurteilung durch Abhören mittels Stethoskop an
der linken Brustwand auf Höhe des Ellbogens.
Beachten Sie: Puls-, Atem- und Herzfrequenz kann
sich durch Erregung des Pferdes aufgrund der
Untersuchung deutlich erhöhen!

normal
:   Frequenz 28–40 Schläge pro Minute.
              1. Herzton: dumpf und lang gezogen
              2. Herzton: heller, leiser und kürzer

auffällig:  erhöhte/verringerte oder unregelmäßige
              Frequenz, Nebengeräusche

             
             Hier werden die Herztöne abgehört.

Atmung
Messung erfolgt durch Beobachtung von schräg
hinten oder mittels Stethoskop.

normal
:   10-16 Atemzüge pro Minute;
              Fohlen 12-20 Atemzüge pro Minute

auffällig:  Erhöhte Atemfrequenz, Bauchmuskulatur
verkrampft (Entstehung der Dampfrinne), pumpen

             
            


IM NOTFALL GILT:

   +
In sämtlichen Notfallsituationen muss 
      immer zunächst auf verletzte oder 
      gefährdete Menschen geachtet werden.

   + 
Ruhe und Übersicht bewahren!

   + 
Motto: „Mit Verstand statt Blauspray“,
      Wunden oder Verletzungen, die eine
      tierärztliche Behandlung benötigen,
      sollten vorher nicht mit farbigen Sprays
      oder Salben behandelt werden.
      Dies erschwert nur die Diagnose!

   +  Panische Pferde verhalten sich nicht
      „normal“: mit heftigen und unkontrollier-
      ten Abwehrbewegungen rechnen!

   +  
Evtl. Zwangsmaßnahmen ergreifen
      (Nasenbremse, Bein aufheben …).
      In schwierigen Fällen auf den Tierarzt
      warten, um die eigene Gesundheit nicht
      zu gefährden.



Erste Hilfe Pferde Ratgeber

Für Notfälle gerüstet zu sein ist immer gut!
Jederzeit kann eine Situation entstehen, wo schnelle und
vor allem richtige Hilfe vonnöten ist. Erste Hilfe darf den
Tierarzt aber nicht ersetzen; sie soll die kritische Zeit bis
zum Eintreffen des Tierarztes überbrücken.


Akute Atemnot
z. B. Allergisches Asthma, Insektenstich, Hufschlag auf die Luftröhre,
eingeatmeter Fremdkörper.
Anzeichen sind eine gestreckte Kopf- und Halshaltung, stark geblähte Nüstern,
angestrengte Atmung, Atemgeräusche beim Ein- und Ausatmen; ein
angsterfüllter, panischer Gesichtsausdruck.
Vorsicht: Pferde mit Atemnot geraten oft in Panik! Bis der Tierarzt eintrifft soll
alles vermieden werden, was das Pferd zusätzlich aufregt und somit den
Sauerstoffverbrauch erhöht.
 
Keine unnötige Bewegung
Im Sommer ist auf einen schattigen Platz zu achten; bei hohen Temperaturen
   ist kaltes Wasser hilfreich, aber nur an den Beinen und nach langsamer,
   stressfreier Gewöhnung.
Luftröhrenschnitt nur im absoluten Notfall! Dieser ist nur vom Tierarzt
  durchzuführen.


Augenprobleme
Ist das Auge geschlossen, geschwollen, tränt, gerötet, lichtempfindlich oder
reibt sich das Tier andauernd, kann dies verschiedene Ursachen haben. Es ist
immer der Tierarzt zu benachrichtigen. Sekundär können durch das Reiben
Hornhautverletzungen entstehen!


Wunden
Nur eindeutig oberflächliche Schürfwunden mit desinfizierenden und
abdeckenden Sprays behandeln (Dr. Schaette’s Wundbalsam, Aluspray). Ist
die Haut mehr als 2 cm durchtrennt, die Wunde in Fesselbeuge oder
Gelenknähe, sollte der Tierarzt geholt werden. Auch kleine Wunden sind oft
gefährlich, da sie häufig auch tiefere Strukturen betreffen, vor allem im
Bereich Unter- und Oberschenkel/-arm.
1. Blutung stoppen
Sterile Kompresse auflegen und Druckverband anlegen.
Die Gliedmaßen nicht abbinden, da große Schmerzen und teilweise bedeutende
  Schäden am Gewebe entstehen.
2. Wunde vor weiterer Schädigung schützen 
Reinigung mit klarem, über die Wunde rinnendem Wasser – anschließend
  Desinfektion (z. B. Dr. Schaette’s Wundbalsam). Keine farbigen
  Desinfektionssprays benutzen und keine Salben oder Puder auftragen! Die
  Übersicht im Wundgebiet geht dadurch verloren, die Naht wird erschwert und
  die Wundheilung behindert.

Sterile Kompresse auflegen und Polsterverband anlegen. Größere Fremdkörper
  nicht entfernen, da Blutungen entstehen können, Reste in der Wunde
  verbleiben können und Tiefe und Richtung der Verletzung für den Tierarzt
  nicht mehr ersichtlich sind. Falls nötig, ist es besser, den Fremdkörper
  abzusägen.
3. Weitere Symptome beachten 
Allgemeinbefinden des Pferdes beobachten (Schock? Starke Schmerzen?)
Starke Lahmheit, Lähmung, offensichtlichen Bruch beachten
4. Tetanus Schutz kontrollieren  


Hochgradige Lahmheit und Brüche
Schon im Schritt ist eine Lahmheit erkennbar; das Pferd schont auch im Stand
das erkrankte Bein. Dies ist immer ein Fall für den Tierarzt!
 
Huf untersuchen! Evtl. ist ein Stein oder anderer Fremdkörper der Auslöser.
Bei Sehnenverletzung ist unmittelbar für Kältezufuhr zu sorgen, um eine
  Schwellung zu reduzieren (Eispackung, kaltes Wasser).
Bei Brüchen ist es wichtig, den Bruch so gut wie möglich ruhig zu stellen,
  bis der Tierarzt eintrifft. Jede Bewegung des Pferdes sollte verhindert
  werden. Wirken Sie beruhigend auf das Pferd ein.


Nageltritt
Immer ein Fall für den Tierarzt!
 
Nagel/Draht/Fremdkörper nicht entfernen. Stichrichtung und Eindringtiefe
  sind für den Tierarzt wichtige Hinweise auf das Ausmaß der inneren Schädigung.
Ragt der Nagel über den Tragrand des Hufes hervor, sodass er bei jedem
  Schritt tiefer eindringt, kneift man ihn mit einer Zange entsprechend ab.
Nur wenn nicht anders möglich, wird der Fremdkörper entfernt:
   Eindringtiefe und Stichrichtung merken, den Fremdkörper aufheben.

Tetanusschutz kontrollieren!


Kreuzverschlag (Lumbago)
Typisch ist das Auftreten nach oder während der Arbeit, vor allem nach
Stehtagen bei gleich bleibender Futterration. Anzeichen sind übermäßiges
Schwitzen, schnelle Atmung, steife Bewegung der Hinterhand; in schweren
Fällen kann sich das Pferd nicht mehr bewegen, verhärteter Rücken und
Kruppenmuskulatur. Oft verändert der Urin seine Farbe; er kann von bernsteinfarben
bis dunkelbraun variieren.
 
Arbeit sofort einstellen, keinen unnötigen Schritt mehr führen und Tierarzt
  benachrichtigen
Pferd in Stall transportieren, falls nötig im Hänger
Rücken- und Kruppenmuskulatur durch Decken warmhalten: Wärme
  entspannt, dämpft dadurch den Schmerz und steigert die Durchblutung der
  Muskulatur; so können Stoffwechselgifte schneller abtransportiert werden.
Kleine Mengen Wasser verabreichen

Vorbeugung: artgerechte und der Leistung angepasste Fütterung (Gabe von
   Vitamin E/Selen)



Hufrehe
Hufrehe kann verschiedene Ursachen haben. So gibt es die Fütterungs-, die
Belastungs- und die toxische (Geburts-) Rehe.

Symptome sind Bewegungsunlust, ständig wechselnde Entlastung der
Gliedmaßen, vorsichtiges Auffußen, warmer Huf, schneller und heftiger Puls
der Mittelfußarterie. Charakteristisch ist die vorder- bzw. unterständige
Gliedmaßenstellung; es scheint, als lehne sich das Pferd zurück, um den
Vorderteil der Hufe nicht zu belasten.
 
Bis der Tierarzt eintrifft soll das Pferd nicht bewegt werden.
Fütterung umstellen (mit Tierarzt absprechen), auf weiche Einstreu achten,
  die nicht gefressen wird.

Legt sich das Pferd hin sollte es nicht aufgetrieben werden. Durch das
  Liegen wird der Aufhängeapparat des Hufbeins entlastet und so das Risiko
  der Hufbeinverlagerung vermindert.

Hufverband anlegen und zur Schmerzlinderung in kurzen Abständen mit
  kaltem Wasser angießen.


Fieber
Pferd frisst nicht, bewegungsunwillig, lässt den Kopf hängen. Fieber ist selten
lebensbedrohlich.
 
Temperatur messen, auf Husten oder Nasenausfluss achten.
Tierarzt informieren


Erste Hilfe bei Wundstarrkrampf (Tetanus)
Verursacher ist ein Bakterium, dessen Sporen in der Erde über Jahre lebensfähig
bleiben können. Gelangen Keime in eine offene Wunde, dann vermehren
sich diese und produzieren ein Gift, das entlang der Nervenbahnen zum Hirn
wandert. Symptome treten erst bis zu drei Wochen nach der Verletzung auf.
Kleine Schürfwunden genügen als Eintrittspforte für die Bakterien. Anzeichen
sind Appetitlosigkeit, Apathie, Schreckhaftigkeit, sägebockartige Stellung,
Krämpfe und Steifheit im Gang.
 
Tierarzt holen
Pferd beruhigen, jede Aufregung löst eine Welle von Zuckungen aus.
Pferd in eine dunkle Box bringen und Geräusche auf ein Minimum reduzieren.
Vorbeugung durch Schutzimpfung ist möglich und sinnvoll!


Dehydration
Schwere Arbeit führt zu einem Schweißverlust von 10–12 Litern und einem
Mineralstoffverlust von 40–50 g pro Stunde. Dadurch kann es zur einge-
schränkten Durchblutung der inneren Organe kommen. Dies führt zu einem
Volumenmangelschock.

Anzeichen sind eine erhöhte Herzfrequenz auch nach Belastung, KFZ (Kapilläre
Füllungszeit) ist erhöht, Hautelastizität verzögert (gezogene Hautfalte bleibt
stehen), flache Atmung mit erhöhter Frequenz, Apathie, blasse Schleimhäute.
 
Bei schweren Fällen Tierarzt holen
Sofortmaßnahme: mit warmem Wasser in kleinen Mengen tränken (2–3 l
  alle 5–10 Min.); Gras füttern.


Hitzschlag
An sehr heißen Tagen. Anzeichen sind erhöhte Körpertemperatur, trockene
Haut, stark erhöhte Herz- und Atemfrequenz, stark erweiterte Hautgefäße,
Kollaps bis zum Koma.
 
Tierarzt holen
keine Aufregung, mit warmem Wasser in kleinen Mengen tränken (2–3 l
  alle 5–10 Min.); Gras füttern.
Gliedmaßen mit Wasserschlauch kühlen, vorsichtig von unten beginnen.
Falls das Pferd sich legt: liegen lassen und kaltes Wasser über das Pferd
  gießen, Luft zufächeln.


Schlundverstopfung
Schlundverstopfung ist meist die Folge von hastigem Fressen. Getrocknete
Zuckerrübenschnitzel, Fallobst und Brot sind häufige Verursacher. Speichel
und Futterpartikel treten aus den Nüstern aus, Husten und Würgebewegungen,
gestreckte Halshaltung, erhöhte Atemfrequenz und Schwitzen (Panik,
Erstickungsanfall) sind die Symptome.
 
Tierarzt sofort informieren
Keine weitere Futteraufnahme, kein Wasser!
Bis zum Eintreffen des Tierarztes den Kopf des Pferdes möglichst tief halten,
  damit der Speichel frei nach unten abfließen kann und nicht in die Luftröhre
  gelangt.
Jeglichen Stress vermeiden und versuchen, das Pferd zu beruhigen.
Wenn die Verstopfung an der linken Halsseite fühlbar ist, kann versuchsweise
  und mit größter Vorsicht eine Massage in Richtung Kopf erfolgen.



Kolik
Eine Kolik ist keine Krankheit, sondern ein Symptom für Bauchschmerzen.
Diese äußern sich in Fressunlust, leichter Apathie, allgemeiner Unruhe, zum
Bauch umdrehen, gegen den Bauch schlagen, ruhiges Liegen, Schwitzen,
Wälzen, mit den Zähnen knirschen usw. Die häufigsten Ursachen sind:
schlechte Qualität des Futters bzw. eine falsche Fütterungstechnik, Aufnahme
von giftigen Pflanzen oder kaltem Wasser bei Erhitzung, Verwurmung,
Wetterwechsel. Jede Kolik ist grundsätzlich gefährlich und kann je nach
Ursache lebensbedrohlich werden.
 
Schnellstens den Tierarzt rufen und wenn möglich Werte von Puls, Atmung
  und Temperatur durchgeben (wenn möglich Darm-Öl eingeben).
Nur führen, wenn das Pferd willig folgt und nicht stark schwitzt.
Tobende Pferde in gut eingestreute, verletzungssichere Box oder Halle
  bringen.
Auch bei Besserung Futteraufnahme vorübergehend verhindern (auch darauf
  achten, dass kein Stroh aus der Einstreu aufgenommen wird)
Bis zum Eintreffen des Tierarztes entspannende Massage von Bauch,
  Ohrgrund und Zahnfleisch (Tellington Touch)




            Folgende Untensilien sollten in
            keiner Stallapotheke fehlen:

Neben der üblichen Gesundheitskontrolle und der
täglichen Pflege ist es wichtig, auf Notfallsituationen
angemessen vorbereitet zu sein.

Grundsätzlich gilt: Krankheiten oder Verletzungen
sollten vom Tierarzt behandelt werden. Doch zur
ersten Hilfe, vor allem bei Unfällen oder Geburts-
komplikationen, sollten hilfreiche Utensilien
greifbar sein.

Neben der Stallapotheke empfiehlt sich an einem
zentralen Ort eine Notfalltelefonliste mit den
wichtigsten Telefonnummern zu hinterlegen:
z. B. die des zuständigen Tierarztes und der
Vertretung, der nächsten Tierklinik, Tiertaxi bzw.
Hängerverleih (falls kein eigener Hänger
vorhanden), evtl. Tierrettungsdienst bzw
Feuerwehr. Es ist unerlässlich in Krisensitua-
tionen schnell zu handeln, zu langes Warten
geht immer zu Lasten der Pferdegesundheit.

+ Verbandsmaterial (Trikot-Schlauchbinde, Polster-
   material, selbstklebende Bandage, Verbandswatte, 
   Heftpflaster, elastische Bandage, Isolierband, 
   Bandagierunterlagen)
+ Schere, Einmal-Handschuhe, Fieberthermometer,
   Hufzange
+ Kompressen, Tupfer, sterile Wundabdeckung zur
   Wundreinigung
+ Gelpackung für Kältebehandlung
+ Wund-Pflege-Spray, Wundsalbe, Hufdesinfektions
   spray
+ Umschlagpaste (z. B. Acetatmischung)
   Achten Sie auf regelmäßige Impfungen (Tetanus,
   Herpes, Influenza, Tollwut) und Entwurmung (min.
   4 x pro Jahr).
   Auch eine jährliche Zahnkontrolle hilft der
   Gesundheit Ihres Pferdes.